Gottesdienst
am 11. Januar 2009
Einführung des neu gewählten Kirchgemeinderates
Predigttext: Epheser 4, 15 – 16
Liebe Gemeinde!
Wenn heute Kirchenälteste erneut
oder neu mit der Einführung Aufgaben im Kirchgemeinderat übernehmen, ist es
für sie gut zu wissen, die Gemeinde begleitet sie. Und dies nicht nur heute,
sondern auch in den kommenden Jahren. Begleitung zeigt sich in der Fürbitte,
aber auch im Suchen des Gespräches, im Fragen nach Entscheidungen und deren
Begründungen. Begleitung bedeutet auch Hilfe anbieten. Ein neuer
Kirchgemeinderat ist gewählt. Einige Kirchenälteste geben ihr Amt in andere
Hände. Ihnen gilt herzlicher Dank. Andere kommen neu in den Kreis deren, die
besondere Verantwortung für die Domgemeinde wahrnehmen. Sie arbeiten
zusammen mit denen in der Leitung der Gemeinde, die Erfahrungen aus den
letzten Jahren mitbringen, Erfahrungen aus den letzten Jahren, die bei
Beratungen, Gesprächen und beim Finden von Entscheidungen gewonnen wurden.
Es waren nicht immer leichte Entscheidungen, manche haben schmerzliche
Wunden gebracht. Mit vielen Entscheidungen ist das Leben in der Gemeinde
geprägt worden. Wichtige Entscheidungen sind ja nicht nur die in Finanz-
oder Baufragen. Viel Zeit der Beratung war nötig, wenn es um Personalfragen
und Personalentscheidungen ging. Für die Gemeindearbeit sind Schwerpunkte
gesetzt worden.
Was leitet uns, wenn wir uns für unsere Kirche einsetzen, unsere Gaben
einbringen und uns in der Öffentlichkeit für sie eintreten? In der Agende,
die uns für die Einführung von Kirchenältesten gegeben ist, ist ein
biblischer Text aus dem Brief an die Gemeinde in Ephesus genannt, der
Gewicht hat für das Miteinander in der Gemeinde und besonders in dem
Leitungsgremium. Der Apostel schreibt: Lasst uns wahrhaftig sein in der
Liebe (Epheser 4, 15 – 16). Der Apostel nennt hier die Gemeinde einen Leib,
einen Organismus, einen Leib mit vielen Gliedern, mit verschiedenen Gaben,
Begabungen und Aufgaben. Doch die einzelnen Glieder leben nicht für sich,
sie gehören zusammen und leben für einander.
Es gibt viele andere Worte und Bilder für die Gemeinde, die Kirche. Licht
der Welt wird sie genannt, Salz der Erde, das wandernde Gottesvolk, der
Weinberg Gottes. Wir wissen, dass jede dieser Aussagen ihre Besonderheit hat
und die Vielfalt dessen beschreibt, was Kirche ist. Wir wissen auch, dass
sich Kirche nicht in Begriffe moderner Betriebswirtschaft oder
Organisationslehren fassen lässt, so wichtig es auch ist, von solchen
Bereichen zu lernen. Gemeinde lebt. Das ist der Obersatz. Wir wissen auch,
dass oft aufgestellte Alternativen nicht weiterhelfen, z. B. von der
Betreuungskirche zur Beteiligungskirche. In der Gemeinde geschieht immer
beides: Beteiligung mit den Gaben – oben an stehen da die Gaben der Liebe
und Wahrhaftigkeit – wie auch Betreuung, auch wenn dieses Wort zu sehr nach
bevormunden klingt. Gemeint ist doch Begleitung in Beratung und Seelsorge.
Alles hat seinen Platz und braucht seine Zeit.
Geschieht dies in der Gemeinde, lebt sie. Sie lebt wie ein Leib, ein
Organismus, in dem das Leben pulsiert, in dem es arbeitet, wie ein Leib, der
wächst. Gewiss stirbt auch manches ab, dann wächst Neues, wird Altes
erneuert.
Die Gemeinde lebt, indem wir die uns gegebenen Gaben gebrauchen, aus dem uns
Anvertrauten leben und davon zehren. Man kann ja Glauben, was Jesus Christus
uns geschenkt hat, wie einen altehrwürdigen Gegenstand wohl verwahren,
ausstellen und bestaunen lassen. Ein Vertreter brachte ein besonderes
Angebot, den Nachdruck einer herrlichen Bibelausgabe aus dem 17. Jahrhundert
– das Ansehen weckt Begeisterung. Aber unsere Bibel ist nicht zum Bestaunen
gegeben, sie ist ein Gebrauchsgegenstand für heute, für die Gegenwart, sie
ist die Quelle der Kraft für den Glauben heute, der so Nahrung braucht wie
ein Leib, wie ein Organismus.
Das Gespräch über die Bibel, das gemeinsame Nachdenken zu fördern, kann es
eine wichtigere Aufgabe für das Leitungsgremium der Gemeinde geben? Wir
leiden daran und sind enttäuscht, dass so viel an elementarem Wissen über
unseren Glauben verdeckt, ja vielleicht verloren ist.
Wir leben gemeinsam, und dies nicht nur, weil wir in einer Gemeinde bei
einander wohnen. In der Gemeinde hat das gemeinsame Leben seinen Ort, seine
Zeit: Gottesdienst. Der herrliche Dom fordert ja immer wieder dazu heraus,
der Gestaltung der Gottesdienste, dem Leben im Gottesdienst besondere
Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Dazu gehört auch die Musik, die so viele
Menschen hierher in den Dom kommen lässt.
Der Dienst in der Gemeinde nimmt uns hinein in die Gemeinschaft der Kirche,
weltweit und in die Gemeinschaft der Kirche über die Jahrhunderte. Dieser
Dom verbindet uns mit den Generationen vor uns, die hier gebetet, gesungen,
gehört, mit Gott gerungen haben. Er weist uns auch in die Zukunft. Dieser
Dom ist ein Zeichen der Verbindung über Grenzen hinweg. Wir gehören
zusammen, dazu braucht es keine Konstruktion von Kirche.
Wir treten ein für das uns Anvertraute. Auch darin zeigt sich, wie die
Gemeinde, dieser Leib, dieser Organismus lebt. Wir treten ein für das Wort
der Wahrheit, das zurechtweisende, das tröstende. Wichtig ist, dass dieser
Dienst in der Liebe, mit Liebe, aus Liebe geschieht. Wo die Liebe fehlt,
wird aus der Wahrheit Brutalität.
Wir wissen, dass zu oft in der Geschichte der Kirche gegen ihren Auftrag,
gegen das Gebot ihres Herrn verstoßen wurde. Darum wollen wir besonders
sensibel sein und beides miteinander verbinden. Das gilt wohl auch für
Entscheidungen im Kirchgemeinderat, auch wenn es nicht leicht ist.
Alles in unsere Kirche, unserer Gemeinde geschieht unter der Verheißung:
Unser Herr ist mit uns. Der Leib kann nicht ohne das Haupt sein, nicht ohne
die Kraftquelle. Unter dieser Verheißung quillt uns Segensfülle zu, und
durch uns zu anderen.
Amen.
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